Um mehr über meinen Großvater Igor Katz zu erfahren, der Lenin vom 22.6.-12.7.1921 als Delegierter auf dem 3. Weltkongress der Komintern in Moskau getroffen hatte, habe ich beschlossen die Leninbiographie von Robert Payne zu lesen; erschienen unter dem Titel »The Life and Death of Lenin« bei Simon & Schuster 1964 in New York.
Payne, in Cornwall geboren, war ein interessanter und neugieriger Bursche, der zu Beginn seiner beruflichen Karriere nichts mit Geschichte und Schreiben zu tun hatte. Wie sein Vater absolvierte er zunächst eine Lehre als Schiffbauer und studierte später in Capetown, Liverpool, München und an der Sorbonne. Während einer Tour durch Europa in den Jahren 1936/37 traf er in München durch Rudolf Hess auch Adolf Hitler, den er später biographierte »The Life and Death of Adolf Hitler«. In China begegnete er Chiang Kai-shek und in den Höhlen von Yenan Mao Tse Tung das führte zu dem Buch »Mao Tse-tung, ruler of red China«. Payne schrieb Biographien anscheinend über alle und jeden z.B. auch Stalin, Greta Garbo, Charlie Chaplin, Iwan den Schrecklichen usw. Seit den frühen 50ger Jahren lebte er als Professor für Englisch in den USA und wurde amerikanischer Staatsbürger. Payne heiratete 1942 Rose Hsiung, die Tochter von Hsiung Hse-ling, einem ehemaligen chinesischen Premierminister. Nach zehn Jahren folgte die Scheidung. 1981 heiratete er die Inderin Sheila Lalwani.
Payne schrieb nicht nur Biographien sondern auch Novellen, autobiographische Reisebücher z.B. über den spanischen Bürgerkrieg und übersetzte aus den Sprachen Chinesisch, Dänisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Deutsch, Polnisch, Spanisch und Russisch. In 47 Jahren veröffentlichte er mehr als 110 Bücher. Er schrieb nicht nur unter seinem Namen sondern benutzte vielfältige Pseudonyme: Richard Cargoe, John Anthony Devon, Howard Horne, Valentin Tikhonov, Robert Young, und übersetzte Olesha’s Envy als Anthony Wolfe. Auch als begeisterter Leser und Sammler von Büchern trat er in Erscheinung. Sein Appartement in Central Park West, New York City, enthielt mehr als 8,000 Bände. Die Wohnung war vom Boden bis unter die Decke vollgestopft mit Büchern, sie lagen auf den Sofas, Tischen und Stühlen und unter dem Bett.
Paynes Leninbiographie beginnt am 20. September 1847 in Iwanowo mit der Geburt von Sergei Genadiewitsch Netschajew und endet nach 475 Seiten mit dem offziellen Obduktionsbericht von Lenins Leiche.
Robert Payne: LENIN Sein Leben und sein Tod, Rütten & Löning, München 1965 (Gebraucht gekauft und mehrere Wochen gelüftet – stank fürchterlich nach Nikotin, Vorbesitzer war anscheinend starker Raucher)