Inder, Kinder und das Blaue vom Himmel (47-53)

VishnuSeit mehr als 50 Jahre ist Sunil der Inbegriff für Sauberkeit und Pflege einerseits – andererseits auch ein weitverbreiteter indischer Vorname und bedeutet tiefe, dunkle, blaue Farbe. Blau ist die Hautfarbe Vishnus und verkörpert einen tiefen Charakter, Mut, Entschlossenheit, Männlichkeit und die Fähigkeit zum Umgang mit schwierigen Situationen. In einer solchen steckt auch der schlafende Protagonist in Sunil Manns Erzählung “Der Brief” wenn er aufwachen wird. Auf dem Nachttisch wird er den Titelgeber der Erzählung, geschrieben von seiner Frau, vorfinden. Seine Frau, deren Schwangerschaft sich bereits vor zwei Wochen durch häufiges Kotzen ankündigte, wird zu diesem Zeitpunkt bereits mit einem One-Way-Ticket im Flugzeug sitzen und das gesamte Blau des weiten Firmaments (eine weitere Bedeutung von Sunil) Richtung heimatliches Indien durchqueren; wo sie den noch in der Schweiz schlafenden Gatten mit ihrem Kind zu erwarten gedenkt.

* Sunil Mann: Der Brief S. 47-53 in:
»grenzen.überschreiten. ein europa-lesebuch. 35 Kurzgeschichten über Migration und Europa. Herausgegeben von der Stadt Mannheim und Klaus Servene, sowie von Sudabeh Mohafez und Dimitré Dinev. andiamo-Verlag, ISBN 978-3-936625-11-0, kartoniert, 225 Seiten

53 von 225 Seiten gelesen.

Ich bin das Licht der Welt

Ich bin das Licht der Welt
Ich bin das Licht der Welt –
oder zumindest der Lichtschalter. –
Auf dem Weg zur Beleuchtung?

Zen-Geist Anfänger-Geist

Zen-Geist„Zen-Geist Anfänger-Geist“, der moderne Klassiker des Zen von Shunryu Suzuki, vermittelt die Essenz des Zen und die Grundlagen der Zenpraxis. Der japanische Zen-Meister Shunryu Suzuki (1905–1971) war maßgeblich an der Verankerung des Zen im Westen beteiligt. 1958 ging er in die USA und gründete das Zen Center von San Francisco und später das Zen Mountain Center in Tassajara Springs, das erste Zen-Kloster außerhalb Asiens.

Das Buch ist wieder mal Bettlektüre bei mir. Nicht in der neuen Auflage von 2007. Ich habe die 4. Auflage von 1988. Mit Neujahrsgrüßen aus einem Zen Kloster in Japan. Es gefällt mir, abgesehen von der Widmung, auch optisch besser. Ich weiss, nicht die Optik sondern die Praxis ist entscheidend.

Shunryu Suzuki: Zen-Geist Anfänger-Geist. Theseus Verlag. Zürich 2007, 160 Seiten, Einband: Hardcover mit Schutzumschlag
Format: 12,5 x 20,5 cm ISBN: 978-3-89620-348-9

11 von 151 Seiten gelesen.

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Die Botschaft des TAO

Timothy LearyDie Botschaft des TAO ist weit eher
zu finden unter-
Gärtnern
Einsiedlern
Gebirgsbewohnern
lächelnden Exzentrikern
Männern, die sich ihr Heim selbst bauen
Kindern
Eltern, die von ihren Kindern lernen
Gammlern
Amateurmusikern
gelassenen Psychotikern
Tieren
Menschen, die Sonnenuntergänge betrachten
Menschen, die die Wälder durchstreifen
schönen Frauen
Köchen
Männern, die an Feuern sitzen, Wanderern,
Leuten, die Brot backen
Paaren, die seit Jahren in Liebe vereint sind
unbeschäftigten Menschen
und
lächelnden Männern mit schlechtem Ruf.

* Timothy Leary: Psychedelische Gebete nach dem Tao Te King 1966
Teil VI Rück-Kehr – Die Erfahrung der aufgeprägten Welt Würdigung des symbolischen Verstandes – 17 Bewege Dich vorsichtig unter

* T.Leary Plakat – Foto: ClintJCL

Zigi übers Meer (35-46)

Das MeerWenn die ersten kühlen Nächte anfingen, den Sommer zu verdrängen, kam Besuch in Annas Haus. Er kam von weit her, wie Annas Mutter sagte, mit einem Schiff, dann mit einem Zug und einem Bus. Nach seinen Briefen hatten ihn Anna und ihre Mutter schon seit Wochen erwartet, ohne zu wissen, an welchem Tag er kommen würde.” Zsuzsa Bánks Element ist das Wasser; in ihrem viel beachteten Debutroman »Der Schwimmer« waren es Flüsse und in dieser Geschichte ist es das Meer. Zsuzsa Bánk, Tochter ungarischer Eltern, die nach dem Ungarnaufstand 1956 in den Westen geflohen waren, wuchs zweisprachig auf, war Buchhändlerin, studierte Publizistik, Politik und Literatur. Sie arbeitete als Wirtschaftsredakteurin. Seit 2000 ist sie freie Schriftstellerin.

Zigi der JongleurWährend in Zsuzsa Bánks Romandebut die Mutter in der Fremde weilt, sind hier die Rollen vertauscht. Wie kann einer Vater sein, wenn er nur einmal im Jahr auf Besuch kommt, Zigi heißt und von Beruf Jongleur ist? Zigi “legte sich auf den Rücken ins Gras, zog die Beine hoch, warf eine große Flasche in die Luft, die er irgendwo im Haus gefunden hatte, fing sie mit den Füßen auf und drehte sie so schnell, dass ihr Schriftzug zu einem unlesbaren Strich wurde.” Zigi war auch nicht sein eigener Name, “sondern einer, den er erfunden, den er sich selbst gegeben hatte, in eine Jahr, das weit genug zurücklag, um seine Zahl zu vergessen, in dem er zum ersten Mal ein Schiff bestiegen hatte, dass ihn fortriss aus allem, was er bislang gewesen war, um wenige Wochen später anzufangen, unter einer Zirkuskuppel Tabletts auf seiner Stirn zu balancieren.

Mit “erzählerischem Eigensinn” und “sprachlicher Strenge”, so schrieb Peter Nadas in DIE ZEIT über »Der Schwimmer«, wird hier “eines der bedeutendsten geistigen Probleme der Epoche ins Blickfeld gerückt”, nämlich die Spannung zwischen Aufklärung und Postmoderne. In der Geschichte zweier Kinder findet Nadas einen “Einblick in das Bewusstsein von Millionen von Flüchtlingen und Emigranten”. Das gilt auch für die Geschichte »Zigi übers Meer«. Völlig zu Recht hat Zsuzsa Bánk dafür einen der ersten Preise im Mannheimer Kurzgeschichten Wettbewerb erhalten.

Zsuzsa Bánk: Der Schwimmer, Roman, S. Fischer, Frankfurt/Main 2002, TB 2004 ISBN 3-596-15248-8

* Zsuzsa Bánk: Zigi übers Meer S. 40-46 in:
»grenzen.überschreiten. ein europa-lesebuch. 35 Kurzgeschichten über Migration und Europa. Herausgegeben von der Stadt Mannheim und Klaus Servene, sowie von Sudabeh Mohafez und Dimitré Dinev. andiamo-Verlag, ISBN 978-3-936625-11-0, kartoniert, 225 Seiten

46von 225 Seiten gelesen.

* Das Meer – Foto: f.eckersdorfer
* Zigi der Jongleur – Foto: hi-tekznologik

Großmutter Asiye und das Gesetz der Berge (19-34)

MunzurbergeHab ich doch tatsächlich heute Nacht davon geträumt: “Meine Großmutter ritt aufrecht in ihrem langen grüngelben Kleid am Fuße der felsigen Berge entlang dem Ufer des Euphrat, der hier noch als wilder Bach in die Ebene floß. Im Schatten der Weiden war es kühl, und meine Großmutter legte das schwere Gewehr ab. Sie setzte sich unter die Bäume, atmete tief aus und tauchte ihr verschwitztes Gesicht ins klare Wasser. Sie trank aus beiden Händen, besprühte ihren verschwitzten Nacken und Zopf und streckte sich aus auf dem kühlen Gras, es war weich, frisch und lud sie zum Ruhen ein. Ihr Blick verlor sich im strömenden Wasser, im durchsichtigen Grün, in kristallenen Linien, und sie hörte dem ruhigen Lauschen zu und verfiel in einen tiefen Schlaf.” *

Natürlich ist nicht meine Großmutter gemeint. Es geht um die Großmutter der Protagonistin und ihren einzigen Geliebten Kerim, den Kirgisen, in Yadé Karas Geschichte »Kelim«. Yadé Kara erzählt von drei Generationen starker Frauen, die vom Osten Anatoliens nach Deutschland gekommen sind. Continue Reading »

Der Rucksack (9-18)

Der RucksackDer Rucksack ist die Geschichte der Familie eines Onkels aus A.(fghanistan) von ihm selbst erzählt. Der Onkel scheint, wie der Autor (ebenfalls Afghane), in Deutschland zu leben. Die Story sehr polyglott mit Schauplätzen in Afghanistan, Deutschland, Indien, Pakistan und USA. Die Sprache arabesk und blumenreich. »… flattern über einen bunten Schleier aus zarten Veilchen, Anemonen und Narzissen, der sich über die Steppe breitet, berauscht vom Elixier der eigenen Düfte.« Im Stile eines arabischen Märchenerzählers wird hier die Geschichte Afghanistans seit dem Einmarsch der Russen bearbeitet.

Der Rucksack gehörte ursprünglich einem russischen Soldaten. Er schenkte ihn dem Neffen und der Neffe vermachte ihn seinem Onkel. Trotz der Warnung des Neffen, der Rucksack sei mit einem Fluch beladen, mit dem Tod verbunden und kehre wie ein Bumerang immer wieder zu seinem Besitzer zurück, schleppt der Onkel den Rucksack überall mit hin.

Die Figuren der Geschichte haben, mit Ausnahme der Schwester des Neffen, keine Namen sondern nur Verwandtschaftsbeziehungen. Sie sind als Individuen nicht greifbar und erscheinen für den Leser wie die verstoßene Ehefrau des Onkels verschleiert unter der Burka.

Als Grundtenor zieht sich durch die ganze Geschichte ein Schuldgefühl, das alle Figuren ergriffen hat. So entsteht – ob beabsichtigt sei dahingestellt – eine Moralkeule, mit der Onkel und Autor unterschwellig auf den Leser eindreschen, sich ebenfalls schuldig zu fühlen. Nein, lieber Onkel, ich fühle mich und bin unschuldig. Ich habe die mir zwangsweise angetraute Ehefrau nicht jungfräulich verstoßen. Ich habe weder eine Geburtstags- noch eine Hochzeitsgesellschaft beschossen bzw. in die Luft gesprengt und auch keinen Russen erstochen.

»grenzen.überschreiten. ein europa-lesebuch. 35 Kurzgeschichten über Migration und Europa. Herausgegeben von der Stadt Mannheim und Klaus Servene, sowie von Sudabeh Mohafez und Dimitré Dinev. andiamo-Verlag, ISBN 978-3-936625-11-0, kartoniert, 225 Seiten

18 von 225 Seiten gelesen.

* Der Rucksack – Foto: at_peter_mayrLizenz

Sich bewegen heißt leben. (0-8)

Fernando Pessoa na Baixa-Chiado“Auf der literarischen Suche nach der Wirklichkeit eines sich verändernden Kontinents, wird die soziale und sprachliche Kompetenz wichtiger als die Herkunft.” heißt es im Vorwort der Herausgeber, dem sie ein Zitat von Fernando Pessoa aus dem Buch der Unruhe vorangestellt haben:

»Sich bewegen heißt leben. Sich in Worte fassen heißt überleben.«

Die Wirklichkeit in Europa ist keine Verhandlungssache. [...] Sie verbirgt sich heimtückisch hinter den Fakten und bewegt sich oberhalb der Empfindungen. Die Wirklichkeit in Europa ist eine Kunst! Im vorliegenden Fall ist sie Erzählkunst.

Darüber wird in den nächsten Tagen noch zu reden sein, bisher habe ich nur das Vorwort gelesen.

»grenzen.überschreiten. ein europa-lesebuch. 35 Kurzgeschichten über Migration und Europa. Herausgegeben von der Stadt Mannheim und Klaus Servene, sowie von Sudabeh Mohafez und Dimitré Dinev. andiamo-Verlag, ISBN 978-3-936625-11-0, kartoniert, 225 Seiten

8 von 225 Seiten gelesen.

* Fernando Pessoa Foto: suki-sukiLizenz

»grenzen.überschreiten (0-0)

grenzen.ueberschreiten coverFünf Tage mit der “Morgenpost” war das Buch von der Feuerwache am alten Messplatz bis nach Neuhermsheim auf der Wanderschaft. Migration geht nicht auf einen Schlag sondern ist ein länger andauernder Prozess. Davon erzählt »grenzen.überschreiten ja schließlich. Das Buch, wäre es nicht schon gedruckt gewesen, hätte seine eigene Geschichte in sich hineinschreiben können. Da die Einreichungsfrist für die Texte aber längst überschritten ist, bleibt es bei den 35 Erzählungen, die die Jury des “Mannheimer Kurzgeschichten Wettbewerbs” ausgewählt hat. Einige Geschichten habe ich im “digitalen Leseexemplar” schon am Bildschirm gelesen – und wieder vergessen. 225 Seiten am Bildschirm sind eine Tortour. Deshalb fange ich heute Nacht mit dem richtigen Buch an.

»grenzen.überschreiten. ein europa-lesebuch. 35 Kurzgeschichten über Migration und Europa. Herausgegeben von der Stadt Mannheim und Klaus Servene, sowie von Sudabeh Mohafez und Dimitré Dinev. andiamo-Verlag, ISBN 978-3-936625-11-0, kartoniert, 225 Seiten

0 von 225 Seiten gelesen.

Jakov T. Katz – Väter 1

Wer ist der Vater?Es gibt nur Vermutungen. Jakov Theodor Katz kann viele Väter haben. Einer, der in Frage kommen könnte, wurde am 10. Februar 1927 mit dem ursprünglichen Vornamen Heinz als Sohn ostjüdischer Eltern in Wien geboren, während des 2. Weltkrieges überlebte er als Jan Gerrit auf dem Rhein und nahm nach dem Krieg in Israel den Namen Jakov an. Am 17. Februar 2007 wurde er auf dem West London Synagogue Cemetery in der Hoop Lane begraben. Ein anderer, Theodore John – Mathematikprofessor, erblickte als Nachkomme polnischer Einwanderer in Chicago das Licht der Welt. Er gilt als Autor von „In Industrial Society and Its Future“ und wurde durch den Verrat seines älteren Bruders im April 1996 in den Wäldern Montanas verhaftet. Er sitzt in Florence, Colorado im Gefängnis Prisoner No. 04475-046. Diese Version ist aber sehr unwahrscheinlich obwohl Katz als eingedeutschte Version des Nachnamens dieses Vaters gedeutet wird; es kann sich nur um eine Art geistiger Vater handeln, müsste jener Theodore Jakov bereits im zarten Alter von acht Jahren gezeugt haben. Dagegen spricht auch, Theodore und Jakov haben sich nie gesehen und bisher keinerlei persönlichen Kontakt miteinander gehabt. Den gebürtigen Heinz hat Jakov, wenn auch nur ein einziges Mal, persönlich getroffen und ihn sofort in sein Herz geschlossen. Als er ihn näher kennenlern und ihn in London besuchen wollte, stand er allerdings in Camden Belsize Park Gardens Nr. 17 vor verschlossener Tür. Sein mutmaßlicher Vater weilte zu der Zeit in New York, und Jakov hätte beinahe bei der Heilsarmee übernachten müssen, es war tiefe Nacht und fast alle Hotels schon geschlossen. Eine wildfremde Negerfamilie, Vater, Mutter und vier Kinder, hatte ihn mit den Worten »Jesus loves you, HALLELUJA!« von der Straße weg zum Gebet und zum Übernachten in ihre Souterrainwohnung mitgeschleppt.

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