Klein und Wagner Teil 2

Wagners Brief an den Mannheimer Intendanten
Landesarchiv Baden Württemberg – Foto: Alfred Drossel, LKZ

Hermann Hesses Erzählung »Klein und Wagner« zählt man zu den eindruckvollsten, »poetischesten« Schilderungen des Elends der Depression. Auch auf der der Suche nach Material zum Thema »tödliche Wasser« habe ich sie erneut gelesen. Friedrich Klein wählt am Ende die klassische Variante und ertränkt sich im See. Das Wasser als solches ist somit nicht tödlich, sondern nur Kleins Umgang damit.

Auffällig ist nicht nur die Verarbeitung der Lebenssituation Hesses in der Erzählung, sondern auch die Einbeziehung des seinerzeit aktuellen Kriminalfalles des Lehrers Ernst August Wagners. Der hat mit Wasser nun gar nichts zu tun; ein Totschläger, ein Messer, eine Pistole und vor allem das Feuer spielen hier die Hauptrolle. Erschlagen und erstochen hat Wagner seine Frau und seine vier Kinder, bevor er in Mühlhausen bei Vaihingen an der Enz die Ortschaft an allen vier Ecken anzündete. Mit der Pistole schoss er auf diejenigen, die dem Feuer zu entkommen suchten. Der Fall schrieb Rechtsgeschichte, denn erstmals wurde damals in der Württembergischen Geschichte ein Prozess wegen Unzurechnungsfähigkeit eingestellt. Ernst Wagner wurde in die Heilanstalt Winnentahl eingeliefert.

In der Pschiatrie entwickelt sich Wagner zum Dichter und schreibt Dramen, die er auch dem Mannheimer Nationaltheater zur Aufführung anbietet. [siehe Brief-Faksimile]

Die Akten des Falles Wagner sind im Landesarchiv Baden Württemberg dokumentiert und teilweise online einsehbar.

"siehe auch:Klein und Wagner Teil 1"