Deutsche und Engländer
Jun 20th, 2008 by JK
Die Deutschen blendet das englische Leben anfangs, es erdrückt sie, später saugt es sie auf oder, besser gesagt, wandelt sie zu schlechten Engländern. Wenn der Deutsche irgendetwas unternimmt, rasiert er sich sich gewöhnlich zunächst, legt einen Kragen um, der bis zu den Ohren reicht, sagt »yes« anstatt »ja«, und »well«, wo man überhaupt nichts zusagen brauchte. Mit Engländern gehen die Deutschen niemals wie mit ihresgleichen um, sondern wie unsere Kleinbürger mit Beamten, und unsere Beamten mit Angehörigen des Uradels.
Sobald jedoch der erschrockene Ausländer anfängt, sich der englischen Art anzupassen, hat der Engländer keine Achtung vor ihm und behandelt ihn von der Höhe seines britischen Hochmuts aus mit Herablassung. Da ist es denn, selbst wenn man über viel Takt verfügt, so manches Mal schwierig, das rechte Maß zu finden, um nicht nach der Plus- oder Minusseite hin zu sündigen; und man kann sich vorstellen, was die Deutschen tun, denen es an jeglichem Takt mangelt, die familiär und liebedienerisch sind, allzu manieriert und allzu derb, ohne Grund sentimental und grob, ohne herausgefordert zu sein. - [Alexander Herzen: Die Emigration in London]
