»Zum Wohl!« wünschte er seinem neuen Bekannten.
Mrz 17th, 2008 by JK
»Ich würde mich freuen, wenn sie mit mir auf meinem Boot noch anstoßen würden«, lud Cukurs seinen Kunden ein. [...] In der winzigen Kabine seines Motorboots holte Cukurs ein Flasche heimischen Brandy und zwei Gläser hervor. »Zum Wohl!« wünschte er seinem neuen Bekannten. »Prosit«, antwortete Künzle, erhob das Glas. sein Trinkspruch hörte sich aufrichtig und ehrlich an, ganz als käme er von Herzen.
Cukurs hätte sich nicht grundlegender irren können. Er konnte nicht ahnen, dass sich Künzles Wunsch auf etwas ganz anderes bezog, nämlich auf Cukurs’ Tod. Und derjenige, der den netten Trinkspruch getan hatte. hieß auch nicht Künzle. Er war auch kein österreichischer Geschäftsmann, sondern Israeli, ein ehemaliger Offizier der israelischen Armee, der mit nur einem Ziel nach Brasilien gekommen war: den »Henker von Riga« ausfindig zu machen, der im Zweiten Weltkrieg persönlich für die Vernichtung von vielen Tausend Rigaer Juden verantwortlich war. Sein erklärtes Ziel war es, Cukurs’ Vertrauen zu gewinnen und ihn in eine Falle zu locken, in der das Todesurteil vollstreckt werden sollte, das »diejenigen, die niemals vergessen« über ihn gefällt hatten. Der »Henker von Riga«, der Verbrecher, der Verderben über Lettlands Juden gebracht hatte, war niemand anders als Herbert Cukurs.
Ich lese - auch aus Protest gegen den Aufstand um Littell - wieder einmal:
Der Tod des Henkers von Riga / Anton Künzle und Gad Shimron. Aus dem Hebr. von Christina Mulolli und Elisabeth Hausen, 1999 ISBN: 3-88350-048-8
