Perverse Genüsse
Mrz 16th, 2008 by JK
“Da Literatur nun, insoweit sie Kunst ist, immer pervers ist, führt sie zu Genüssen, die an ihrem Grund nicht erlaubt sind. Es sind Übertretungen. Ich habe nach den ersten gelesenen Seiten die Ahnung, solch eine Übertretung liege hier vor, und sie sei ungeheuer.” ANH in: Jonathan Littell. Die Wohlgesinnten. Lesenotate (1)
[Nachtrag 16.3.08 12:30]
Das Zitat war gestern nur kurz notiert: auf weitere Leseeindrücke von ANH bin ich gespannt. Dem Umfang und dem Sujet nach ist ungewiss, ob ich mir den Littell zu Gemüte führe. Mir genügen die Protokolle des Eichmann- und des Auschwitz-Prozesses als Einblick in die Psyche der Täter; man kann ja auch mal wieder Hannah Arendt, Wilhelm Reich u.a. lesen. Mich interessiert eher die Perspektive der Opfer z.B. in Liliana Cavanis Film »Der Nachtportier« aus dem Jahr 1974.
Dass Literatur, wenn sie Kunst sein will, »pervers« sein muss, dürfte ANH nur im Zusammenhang den »Wohlgesinnten« durchgerutscht sein, sonst ist er mir den Beweis des Perversen bei den Klassikern der Weltliteratur schuldig.
