Inder, Kinder und das Blaue vom Himmel (47-53)
Feb 3rd, 2008 by JK
Seit mehr als 50 Jahre ist Sunil der Inbegriff für Sauberkeit und Pflege einerseits - andererseits auch ein weitverbreiteter indischer Vorname und bedeutet tiefe, dunkle, blaue Farbe. Blau ist die Hautfarbe Vishnus und verkörpert einen tiefen Charakter, Mut, Entschlossenheit, Männlichkeit und die Fähigkeit zum Umgang mit schwierigen Situationen. In einer solchen steckt auch der schlafende Protagonist in Sunil Manns Erzählung “Der Brief” wenn er aufwachen wird. Auf dem Nachttisch wird er den Titelgeber der Erzählung, geschrieben von seiner Frau, vorfinden. Seine Frau, deren Schwangerschaft sich bereits vor zwei Wochen durch häufiges Kotzen ankündigte, wird zu diesem Zeitpunkt bereits mit einem One-Way-Ticket im Flugzeug sitzen und das gesamte Blau des weiten Firmaments (eine weitere Bedeutung von Sunil) Richtung heimatliches Indien durchqueren; wo sie den noch in der Schweiz schlafenden Gatten mit ihrem Kind zu erwarten gedenkt.
* Sunil Mann: Der Brief S. 47-53 in:
»grenzen.überschreiten. ein europa-lesebuch. 35 Kurzgeschichten über Migration und Europa. Herausgegeben von der Stadt Mannheim und Klaus Servene, sowie von Sudabeh Mohafez und Dimitré Dinev. andiamo-Verlag, ISBN 978-3-936625-11-0, kartoniert, 225 Seiten
